Wie nah kommen wir mit Licht, Kamera und Objektiven an ein technisch gutes Produktfoto heran, wenn wir anschließend nichts mehr bearbeiten dürfen? Ich habe es ausprobiert!
Nach meinem ausführlichen Blogbeitrag über die neuen Etsy-Richtlinien kam eine spannende Frage auf: Was können wir eigentlich tun, wenn uns die Bildbearbeitung nicht zur Verfügung steht? Wie bekommen wir dann ein möglichst realitätsgetreues Produktfoto?
Meine Antwort: Der größte Hebel ist die Kombination aus gutem Licht, der Kamera und dem passenden Objektiv.
Aber wie weit kommen wir damit tatsächlich? Genau das wollte ich in einem kleinen Experiment herausfinden.
Das besprechen wir in diesem Beitrag zum Thema Produktfotos ohne Bildbearbeitung:
- Mein Experiment: eine Mandarine, zwei Kameras, fünf Fotos
- Der größte Hebel: Licht und Objektive
- Smartphone oder Spiegelreflex: die Ergebnisse im Vergleich
- Warum auch ein JPEG bereits bearbeitet ist
- So wenig Bildbearbeitung wie möglich
Mein Experiment: Eine Mandarine, zwei Kameras, fünf Fotos
Ich habe mir ein paar Mandarinen gekauft und sie mit meinem Smartphone und meiner Spiegelreflexkamera fotografiert.


Zum Einsatz kamen:
- Mein Smartphone im Automatikmodus und im manuellen Pro-Modus.
- Meine Spiegelreflexkamera mit drei Festbrennweiten: 35 mm, 50 mm und 90 mm.
Alle fünf Fotos habe ich direkt als JPEG aufgenommen. Keine RAW-Dateien und keine nachträgliche Bildbearbeitung. Das Licht und der Aufbau waren dabei möglichst vergleichbar. Trotzdem sind fünf ziemlich unterschiedliche Ergebnisse entstanden.
Der größte Hebel: Licht und Objektive
Wenn uns die Bildbearbeitung nicht zur Verfügung steht, müssen wir bereits bei der Aufnahme möglichst viel richtig machen. Und genau das ist der Ansatz, nach dem ich Produktfotografie grundsätzlich unterrichte!
In meinen Kursen lernst du, wie du Licht gezielt einsetzt, deine Kamera richtig einstellst und die technischen Möglichkeiten deiner Ausrüstung nutzt, damit du bereits bei der Aufnahme ein möglichst gutes Ergebnis bekommst. Denn ich bin überhaupt kein Fan davon, erst mal irgendwie zu fotografieren und hinterher alles mit der Bildbearbeitung retten zu wollen.
Mein Ziel ist immer: ein technisch so gutes Ausgangsfoto, dass wir anschließend möglichst wenig bearbeiten müssen.
Der größte Hebel dafür ist die Kombination aus Licht und Objektiv. Wir brauchen ausreichend Licht, damit unsere Kamera Farben, Formen und Oberflächenstrukturen möglichst gut erfassen kann. Aber einfach immer mehr Licht draufzugeben, funktioniert auch nicht. Zu harte Reflexe, ausgefressene helle Bereiche und verlorene Oberflächenstrukturen können das Ergebnis verschlechtern.
Gerade beim Smartphone ist das eine Herausforderung. Die kleinen Kamerasensoren und die begrenzten optischen Möglichkeiten brauchen häufig mehr Licht, um rauscharme Aufnahmen zu liefern. Mit einer Spiegelreflexkamera und lichtstarken Objektiven haben wir hier mehr Spielraum. Aber auch das garantiert uns noch kein perfektes Foto.
Entscheidend ist nicht nur, wie viel Licht wir haben, sondern vor allem, wie wir es einsetzen. Und genau deshalb ist eine gute Lichtsetzung für mich die wichtigste Grundlage der Produktfotografie.
Smartphone oder Spiegelreflex? Die Ergebnisse im Vergleich
Jetzt schauen wir uns die fünf Aufnahmen an. Links siehst du jeweils das JPEG direkt aus der Kamera, ohne nachträgliche Bearbeitung. Rechts siehst du dasselbe Foto, nachdem ich Helligkeit, Farben und Kontraste angeglichen habe.
Smartphone – Automatikmodus


Hier sieht man besonders deutlich, wie dunkel und grau der eigentlich weiße Hintergrund aufgenommen wurde. Das Smartphone hat außerdem bereits kräftige Kontraste in das JPEG eingerechnet.
Smartphone – manueller Pro-Modus


Im Pro-Modus konnte ich die Belichtung selbst beeinflussen, beispielsweise über die Belichtungszeit und den ISO-Wert. Das Ergebnis ist deutlich heller. Aber auch hier sehen wir, dass eine hellere Aufnahme nicht automatisch in allen Bereichen besser ist.
Spiegelreflexkamera – 35 mm


Spiegelreflexkamera – 50 mm


Spiegelreflexkamera – 90 mm


Bei den drei Festbrennweiten sieht man auch sehr schön, wie unterschiedlich dasselbe Motiv dargestellt werden kann. Bildausschnitt, Hintergrundunschärfe und die Wirkung des Motivs verändern sich je nach Brennweite, Aufnahmeabstand und Blende. Und obwohl ich mit der Spiegelreflexkamera mehr technische Möglichkeiten habe, musste ich auch diese Aufnahmen anschließend noch angleichen.
Genau das ist der Punkt: Selbst eine gute Kamera mit einem guten Objektiv liefert nicht automatisch ein fertiges, realitätsgetreues Produktfoto.
Warum auch ein JPEG bereits bearbeitet ist
Was bei der Diskussion um unbearbeitete Produktfotos häufig vergessen wird: Auch ein JPEG direkt aus der Kamera ist bereits intern bearbeitet! Das gilt für das Smartphone genauso wie für die Spiegelreflexkamera.
Die Kamera verarbeitet die aufgenommenen Sensordaten und nimmt dabei unter anderem Anpassungen an Weißabgleich, Farben, Kontrasten, Schärfe und gegebenenfalls der Rauschreduzierung vor. Deshalb können zwei Kameras dasselbe Motiv unter vergleichbaren Lichtbedingungen unterschiedlich darstellen.
Und genau deshalb bedeutet „nicht nachträglich bearbeitet“ eben nicht, dass ein Foto völlig unbearbeitet ist, wenn ich im JPEG fotografiere. (Bei RAW-Dateien ist das anders: Hier bleiben die Sensordaten weitgehend erhalten und müssen für die fertige Bildausgabe erst entwickelt werden.)
Und wenn wir eine ganz bestimmte Produktfarbe möglichst genau wiedergeben müssen, kommen wir mit der kamerainternen Verarbeitung allein häufig nicht ans Ziel. Dafür brauchen wir die Bildbearbeitung.
Mein Fazit: So wenig Bildbearbeitung wie möglich – aber so viel wie nötig
Mein Experiment zeigt ziemlich deutlich, wie viel wir bereits bei der Aufnahme beeinflussen können. Licht, Kamera und Objektiv sind die Grundlage für technisch gute Produktfotos. Und genau deshalb unterrichte ich Produktfotografie so, wie ich es tue: Wir machen bereits bei der Aufnahme möglichst viel richtig, damit wir hinterher möglichst wenig bearbeiten müssen.
Aber auch bei einer sorgfältig vorbereiteten Aufnahme bleiben häufig Abweichungen bei Farben, Helligkeit oder Kontrasten. Die Bildbearbeitung ist für mich deshalb kein Werkzeug, um schlechte Fotos zu retten.
Sie ist der letzte Schritt, um ein bereits gutes Foto möglichst nah an das tatsächliche Produkt anzugleichen.
Und genau das zeigen auch meine Mandarinen. Wir können auf Bildbearbeitung verzichten. Aber wir verzichten damit auch auf die Möglichkeit, bestimmte fotografische Abweichungen gezielt auszugleichen.
Denn eine Kamera ist kein Kopiergerät für die Realität.
Style Your Light: Das Licht richtig meistern!
Lerne, wie du mit Tageslicht und/oder Softboxen deine Produktfotos einfach inszenierst.
In diesem Kurs zeige ich dir, wie du mit einfachen Techniken das Licht für deine Fotos verstehst und richtig einsetzt – ganz ohne teures Equipment und stundenlanges Herumprobieren.





